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Ausstellung

Herbstausstellung 2021

 Roland Stratmann

Schöne Grüße aus dem Wunderland

Ausstellung vom 30.10.21 bis 28.11.2021

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen
Dienstag bis Freitag: 11:00 bis 16:30
Samstag: 11:00 bis 13:00
Sonntag / Feiertag: 14:00 bis 17:00

Bitte beachten Sie, dass der Zutritt zur Zeit auf 3 G (geimpft, genesen, getestet) beschränkt ist.

Vernissage: 29.Oktober 19:30 (statt 20:00 wie früher)
Der Künstler ist anwesend.

1984-1990 studierte Stratmann an der Universität der Künste Berlin bei Martin Engelman, Edwins Strautmanis, Anna Oppermann und Shinkichi Tajiri. 1991 erhielt er das Stipendium Junge Kunst der Alten Hansestadt Lemgo. 2000 lebte er mit einem Stipendium der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Istanbul. 2006 erhielt er den Tempelhof-Schöneberger Kunstpreis. Sein künstlerischer Entwurf für die Lichtinstallation „Neuköllner Tor“ am S- und U-Bahnhof Neukölln in Berlin wurde 2009 mit dem Nationalen Sonderpreis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur ausgezeichnet. Roland Stratmann ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Er lebt in Berlin.

Es gibt viele Themen, die uns bedrängen: die Ausbeutung von Ressourcen ohne hinreichende Entwicklung von Alternativen; der Klimawandel und dessen ignorante, ein konsequentes Handeln verweigernde Leugnung; die Verdrängung und das Aussterben von Arten; die Umweltverschmutzung, für welche die in die Ozeane verschleppten und in andere Länder exportierten Abfallberge unserer Konsumgesellschaft nur die augenfälligsten Bilder sind; die Rückkehr von Blockdenken und Spaltungsstrategien; die anhaltenden Völkerwanderungen und Migrationsbewegungen; die Kriege, ethnischen Konflikte und die Armut, die diese bedingen…

Schnell kann einem das alles zu viel werden: „Früher war alles besser.“
Aber schon in diesem „früher“ begann der Mensch, die Erde nach seinen Bedürfnissen zu gestalten, — und wurde selbst durch die Umwelt geformt, die fossilen Schädel bezeugen die evolutionäre Entwicklung vom „homme naturel“ zum „homo sapiens“. Heute befinden wir uns im Anthropozän und haben den Globus komplett überformt, sind zu einer die Geologie modulierenden Kraft geworden. Dieses „Wir“ ist oft schwer auszuhalten, die Konstruktion des „Anderen“ wird zu einer willkommenen Projektionsfläche. So schafft man sich gerne Nischen und Ausfluchten: in Vereinen oder seinem Clan;

mit einem bestimmten, eine Eigenwilligkeit behauptenden Habitus; auf der Suche nach dem „Authentischen“ — oder in der als Ausnahme inszenierten Situation des Urlaubs. Die Postkarte ist ein Bote dieser Fluchten und zugleich ein Medium der Beruhigung und Beständigkeit.

Denn ihre Bilder folgen bestimmten Standards (blauer Himmel, repräsentative Ansicht, Wiedererkennbarkeit), und die beschreibbare Seite lässt nur Raum für verdichtete Aussagen.

Roland Stratmann greift für seine Tableaus auf einen Fundus zurück, der sich in privaten Nachlässen, kollektiven musealen Sammlungen und dem Internet ablagert; die Postkarten mit ihren kompakten Berichten; die Fülle der verfügbaren Bilder; die mittels Taxidermie angeeignete Natur; und für seine Skulpturen auf den Habit der abgelegten Kleidungsstücke.

Seine Verfahrensweise ist die des Auf- und Abdeckens, des Herauslösens und Überlagerns, des präzisen Schnitts, der Verschiebung, des Klappens, des Vernähens.

Seine Bilder und Skulpturen spielen mit dem „velum“, dem opaken Schleier des mehrschdes Klappensichtigen Bildes wie der Konvention der mehrdeutigen Verschleierung. Und sie bieten eine sensationelle „revelatio“, eine Enthül¬lung, die anhand der frei gelegten Bilder und der sezierten Aussagen offensichtlich werden lässt, auf welche Weise wir die Welt gemäß unseren Ansprüchen und Urteilen modellieren.

So schafft Stratmann es, aus dem bedrängenden Material auf poetische und aufgrund der Verschiebung auch humorvolle Weise einen Denkraum zu öffnen und den Betrachtern eine Möglichkeit zur Neu-Orientierung zu geben. Es geht um nichts geringeres als: Lass Dich anse¬hen, blick zurück, und erkenne Dich selbst!.